Im Orient

Im Orient

Ich betrete das Hotel Orient kurz nach Mitternacht. Niemand fragt nach meinem Namen. Ich bekomme einen Schlüssel, Zimmer 17. Mehr braucht es nicht.

Der Raum ist klein. Bett. Stuhl. Gedimmtes Licht. Die Tür schließe ich ab. Ich weiß, warum ich hier bin.
Es klopft einmal. Als ich öffne, steht er vor mir. Blick ruhig. Körpersprache eindeutig. Wir sagen nichts. Worte würden nur stören. Die Tür fällt ins Schloss. Wir mustern uns, prüfen, ob das Bild zur Erwartung passt. Tut es. Eine Hand greift nach meinem Kinn, zwingt mich aufzusehen. Ich lasse es zu. Genau darum geht es. Die Nähe ist fordernd. Ein Spiel, aber keine Romantik. Grenzen werden getestet, direkt und ohne Diskussion. Ich spüre, was gewollt ist – und was nicht. Beides ist Teil der Abmachung.
Zeit verliert an Bedeutung. Alles reduziert sich auf Aktion und die Reaktion darauf. Spannung. Nachgeben. Widerstand und dazwischen Stille.

Irgendwann ist es genug.

Wir lösen uns voneinander, sachlich. Keine Zärtlichkeit. Kein Nachspiel. Ich richte meine Kleidung, der Blick wird wieder neutral. Wir nicken uns zu. Er schließt die Tür hinter sich und geht.
Ich warte kurz und atme durch. Mein Körper fühlt sich schwer an, mein Kopf klar. Genau so will ich es.

Als ich das Hotel verlasse, ist Wien still. Das Treffen bleibt dort, wo es hingehört:
hinter der Tür, im schönen Hotel Orient.

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